Anton

Größe: K-Pony
Alter: geb. 1996
Geschlecht: Wallach
Rasse: Shetlandpony
Farbe: Schimmel
Besonderheit: rollende Casanova Lawine / Kugelblitz / Tönnchen

Apachi

Größe: G-Pony
Alter: geb. 2000
Geschlecht: Wallach
Rasse: dt. Reitpony
Farbe: Fuchs
Besonderheit: sensibler Macho / Schlaufuchs vs. Rabauke = Two-Face

Benny

Größe: M-Pony
Alter: geb. 1979
Geschlecht: Wallach
Rasse: Reitpony-Mix
Farbe: Rotschimmel
Besonderheit: Urgestein / graue Eminenz / immer für einen Krauleinsatz zu haben

Bobby

Größe: K-Pony
Alter: geb. 1992
Geschlecht: Wallach
Rasse: Shetlandpony
Farbe: Brauner
Besonderheit: niedlicher Überbiss / Schlappohren

Cassy

Größe: ca. 1,68m
Alter: geb. 2007
Geschlecht: Stute
Rasse: Holsteiner
Farbe: Brauner
Besonderheit: kuscheliges Riesenbaby mit Löffelohren / sehr liebenswürdiges Gemüt

Charly

Größe: K-Pony
Alter: geb. 1992
Geschlecht: Wallach
Rasse: Shetlandpony-Mix
Farbe: Falbe
Besonderheit: der launische Grinch / dennoch für jeden Spaß zu haben

Chico

Größe: ca. 1,63 m
Alter: geb. 1996
Geschlecht: Wallach
Rasse: ungarisches Warmblut
Farbe: Fuchs
Besonderheit: Eigenbrödler / in sich ruhend / freundlich und belastbar

Cincinnati

Größe: 1,68m
Alter: geb. 2008
Geschlecht: Wallach
Rasse: Oldenburger
Farbe: Brauner
Besonderheit: umgänglich / gemütlich / liebenswürdig / für jeden Spaß und Sport zu haben

Elfenzauber

Größe: K-Pony
Alter: geb. 1999
Geschlecht: Stute
Rasse: Dartmoor-Pony
Farbe: Dunkelbrauner
Besonderheit: „Elfi“ / wissbegierige Prinzessin / aufmerksam / selbstbewusst

Farina

Größe: 1,51 m
Alter: geb. 1998
Geschlecht: Stute
Rasse: Deutsches Reitpony
Farbe: Brauner
Besonderheit: schon Mama / weiße Flocke / kleiner Pummel / beste Freundin von Lara

Filou

Größe: G-Pony
Alter: geb. 1999
Geschlecht: Wallach
Rasse: dt. Reitpony
Farbe: Brauner
Besonderheit: „Filou“/ everybody’s darling / lautester Kandidat bei der Futterrunde

Flicka

Größe: K-Pony
Alter: geb. 1997
Geschlecht: Stute
Rasse: Shetlandpony
Farbe: Fuchs
Besonderheit: runde Rennmaus mit Löwenmähne und Pfiff

Ginger

Größe: M-Pony
Alter: geb. 1988
Geschlecht: Stute
Rasse: Reitpony-Mix
Farbe: Dunkelbrauner
Besonderheit: „Muli“ / Urgestein / liebenswürdige, alte Dame / große Seele auf 4 Beinen

Hanna

Größe: 1,67 m
Alter: geb. 2010
Geschlecht: Stute
Rasse: Hannoveraner
Farbe: Dunkelbraune
Besonderheit: Schmusekätzchen / manchmal zickige Prinzessin / Dressurtalent / elegante Lady

Kasimir

Größe: 1,45 m
Alter: geb. 2005
Geschlecht: Wallach
Rasse: Dt. Reitpony
Farbe: Braunschecke
Besonderheit: Kasi liebt Lady. Er ist immer aufmerksam, niemals langweilig. Der große Freund von unseren kleinen Reitern.

Erst skeptisch vor neuen Situationen, gewinnt man ihn mit Geduld und Spucke auf seine Seite.

Lara

Größe: G-Pony
Alter: geb. 1995
Geschlecht: Stute
Rasse: Deutsches Reitpony
Farbe: Brauner
Besonderheit: schon Mama / Fohlenprämie / hat in der Elternzeit ihre Ausbildung nicht vergessen

Lady

Größe: G-Pony
Alter: geb. 2006
Geschlecht: Stute
Rasse: Deutsches Reitpony
Farbe: Brauner
Besonderheit: Der Name ist Programm. Sie ist eine Dame durch und durch. Immer sieht sie schick aus.

Lady liebt Kasi und ist auch sehr sensibel. Ihr richtiger Name lautet: Baby-Lady

Lumpi

Größe: K-Pony
Alter: geb. 1997
Geschlecht: Wallach
Rasse: Shetlandpony-Mix
Farbe: Braunfalbe
Besonderheit: Der Name spricht für sich / Kamel-Mix / Raufbold

Max

Größe: K-Pony
Alter: geb. 1998
Geschlecht: Wallach
Rasse: Shetlandpony
Farbe: Fuchsschecke
Besonderheit: Fischaugen – können solche Augen lügen? / Minitraber Größe XS

Moritz

Größe: K-Pony
Alter: geb. 1991
Geschlecht: Wallach
Rasse: Shetlandpony
Farbe: Schimmel
Besonderheit: geborenes Eisbärchen mit samtweicher Schnute / legt sich gerne in Pfützen (aus weiß wird schwarz *hex-hex*)

Morle

Größe: G-Pony
Alter: geb. 2004
Geschlecht: Stute
Rasse: Fjord / Norweger
Farbe: Falbe
Besonderheit: flottes, geduldiges Model für neueste Fjordifrisuren /Speedy / Frohnatur

Orelie

Größe: G-Pony
Alter: geb. 2012
Geschlecht: Stute
Rasse: Haflinger
Farbe: Fuchs
Besonderheit: Eine gemütliche Haflingerstute, die der Überzeugung ist, sie sei eine Prinzessin.

Sie arbeitet zuverlässig und ist ein Nimmersatt. In jeder Situation findet sie was Gutes.

Racker

Größe: K-Pony
Alter: geb. 2000
Geschlecht: Wallach
Rasse: Shetlandpony
Farbe: Fuchsschecke
Besonderheit: süßes Schlitzohr / treuer Stinkstiefel

Ruhmoor Sweet Rose

Größe: K-Pony
Alter: geb. 2002
Geschlecht: Stute
Rasse: Dartmoor-Pony
Farbe: Dunkelbrauner
Besonderheit: „Mona“ / neugierig / auf Trab / lieb / zuverlässig

Herbstzeit, Lesezeit.

ENDLICH wird die Frage aller Fragen geklärt, die niemand beantworten kann:

Warum ist der Anton denn so dick?

Viel Spaß beim Lesen!

Kurzgeschichte

Antons kulinarischer Ausflug

Ein leichter Nebel wandert noch über die Weiden. An den Litzen des Zaunes hängen schwer von Tautropfen beladene Spinnennetze. Es riecht feucht nach frischem Gras. Die Sonne bricht langsam durch die Wolkendecke durch und erwärmt die kühle Septemberluft.

Die Pferde im Stall zermahlen mit wohligem Krachen ihre letzen Heuhalme, während kleine Wölkchen bei jedem Atemzug aus ihren Nüstern steigen. Es ist ein ruhiger Morgen im Stall.

Doch diese ruhige Stille hält nicht lange an. Die ersten Kinder aus der Ferienreitabteilung kommen schwer mit Putzkästen beladen die Stallgasse herunter. Alle schnatterten wild durcheinander. Klar, sind die Mädchen aufgeregt. Schließlich war es der erste Tag und Jeder war gespannt wie ein Flitzebogen, welches Pferd er nun für die nächsten Tage betreuen und auch reiten darf.

Da guckte auch schon die Reitlehrerin um die Ecke, denn das Gekicher und Gegacker der Mädchen wurde immer lauter. „Alle Mann ab in die Reithalle! Ihr seid hier viel zu laut. Seid froh, daß unsere Ponys so brav sind und sich daran kaum stören, wenn ihr so einen Tumult auf der Stallgasse macht.“ Das ließen sich die Mädchen nicht zweimal sagen, denn sie wußten genau, daß in der Reithalle die Pferde eingeteilt wurden. Die kleine Gruppe tobte los und die Reitlehrerin verdrehte die Augen.

 

Die Spannung stieg immer mehr. Lumpi, Max, Morle, Racker, Sheila und Sternchen sollten die erste Abteilung bilden. Alle Mädels waren zufrieden, es waren sogar die Lieblingsponys dabei. Entspannt schlenderte das Grüppchen los zurück auf die Stallgasse, wobei es noch einen kurzen Abstecher in die Sattelkammer gab, um die Halfter zu holen. Nur Lisa, ein kleines brünettes und sehr schüchternes Mädchen ging irgendwie unter.

Die Reitlehrerin schaute auf ihre Liste und wunderte sich. Lisa stand auf der Liste und war für diese Abteilung vorgesehen. Doch wo war sie? Vorhin auf der Stallgasse war sie doch auch mit den Anderen dabei.

Die Reitlehrerin ging auf die Suche nach ihr. Ganz diszipliniert waren die Ponys in Reih und Glied auf der Stallgasse angebunden und wurden von den anderen Mädchen auf hochglanz gebürstet. Schließlich wollte man gleich den hübschesten Liebling in der Reithalle präsentieren. Nett lächelnd ging die Reitlehrerin über die Stallgase zu den hinteren Laufställen. Treffer! Dort war Lisa. Heimlich hatte sie sich von der Gruppe abgesondert, als diese vorhin zur Pferdeeinteilung gegangen ist. Es zog sie nicht mit den anderen mit. Sie wollte lieber Anton besuchen. Anton, das kleine weiße Shetlandpony war ihr bester Freund. Ihm konnte sie alles erzählen was sie auf dem Herzen hatte. Ob er es verstand, wußte sie nicht, aber für einen kleinen Apfel hörte Anton ihr stundenlang zu und munterte sie immer auf indem er sie von oben bis unten abschnupperte und in seiner freundlichen Art auch mal umschubste. Lisa nahm ihm das natürlich nicht übel, denn oft suchte er sie noch nach weiteren Leckerchen ab und Liebe geht ja durch den Magen. Gerade bei Anton, das wußte sie genau und hatte immer noch mal etwas versteckt irgendwo in ihren Taschen.

Was machst du denn hier Lisa? Du solltest doch schon längst bei den Anderen sein und dein Pony fertig machen.“, tadelte die Reitlehrerin. Lisa erschrak. Sie hatte die Reitlehrerin gar nicht kommen hören, so vertieft war sie mit Anton beschäftigt. Schüchtern sah sie zu Boden und nestelte an ihrem rotgestreiften T-Shirt herum. „Es tut mir Leid, aber ich habe heute früh den Anton noch gar nicht begrüßt.“, stammelte das zarte Mädchen und wurde ein bißchen rot dabei im Gesicht. „Na, das mir das nicht wieder vorkommt, daß du alleine durch den Stall läufst. Wenn Unterricht angesagt ist, bleibt die Gruppe zusammen! Und es ist ja lieb von dir gemeint, dass du Anton einen kleinen Snack mitbringst, doch er ist auf Diät. Er wird immer runder und dicker. Da muß man etwas aufpassen, dass er nicht irgendwann mit dem Bauch auf dem Boden hängt.“ Lisa wurde immer unsicherer. Die Reitlehrerin war streng, aber sie konnte es verstehen warum sie so war.

Lisa nahm nun ihren Mut zusammen und fragte ganz leise: „Darf ich denn trotzdem noch mitreiten?“ Die Reitlehrerin grinste breit. „Na klar, darfst du das und weil du dich mit Anton so gut angefreundet hast, kannst du ihn dir fertig machen und kommst gleich zu den anderen in die Reithalle.“ Lisas Herz machte einen Freudensprung. Besser konnten für sie die Ferien nicht beginnen.

Hurtig bürstete sie ihn über und kratzte gründlich seine kleinen Hufe aus. Leider blieb nicht so viel Zeit, sie hätte ihn gerne noch länger geputzt, doch die anderen waren mit ihren Pferden schon am satteln. Na gut, später wird noch etwas Zeit bleiben, um ausgiebig nach dem Unterricht zu kuscheln.

Die Reitlehrerin kam ums Eck mit Trense, Decke und Gurt bepackt. „Ich habe dir schon mal die Sachen von Anton gebracht, damit du ein bißchen Zeit gewinnst. Ich helfe dir auch schnell. Die anderen dürfen dann schon mal in die Halle gehen.“

Die Strenge der Reitlehrerin war verflogen, da war Lisa sehr froh drum, dass sie so nett war. Doch plötzlich verzog sich ihre Mine finster. Sie hatte eine schöne Polsterdecke auf Antons Rücken gelegt und wollte gerade den Gurt festziehen. Pustekuchen! Da fehlte eine ganze Handbreit um die Schnalle zu schließen. „Das kann doch nicht wahr sein. Der Gurt ist ganz neu. Erst vor wenigen Wochen haben wir den für Anton besorgt, da der alte viel zu klein geworden war. Und jetzt so etwas! Wieso wird Anton immer dicker? Dann muß es jetzt mal eben ohne Decke gehen.“

Lisa grinste in sich rein. Das mit der Decke machte ihr nichts aus. Anton war so rund und gemütlich, daß man auf ihm ganz bequem, wie auf einem Sofa sitzen konnte. Da war der dicke Bauch von Vorteil, fand sie.

Alle waren in der Halle aufmarschiert und auch Lisa reihte sich mit Anton ein. Gemeinsames aufsitzen und die Abteilung sortierte sich auf der linken Hand zurecht. Alle Ponys liefen brav ihre Runden und es wurden Bahnfiguren geübt. Auch Anton hielt immer gut im Tempo mit und wie Lisa fand, zeigte er an diesem Morgen den besten Galopp von allen. Und das alles trotz seiner runden Figur.

Die Stunde ging viel zu schnell zu ende und die Mädchen brachten alle ihre Pferde zurück in ihre Boxen, nachdem sie noch einmal versorgt worden sind. Der Schweiß wurde gründlich aus dem Fell gebürstet und die Hufe nach Steinchen kontrolliert. Einige nahmen sich noch die Zeit, um den Schweif ihres Ponys gründlich zu verlesen.

Es ging auf die Mittagszeit zu. Das bedeutete Stallruhe für die Pferde und die Mittagsfutterrunde wurde gemacht. Einer der wichtigsten Termine des Tages für Anton.

Lisa brachte ihn zurück in seinen Stall, wo schon ein großer Arm voll duftendem Heu auf ihn wartete. Doch der interessierte jetzt nicht so wirklich. Vielleicht hatte Lisa noch etwas besseres in ihrer Tasche. Vorsichtig, aber fordernd drückte er seine Nase in ihre Taschen. Es roch nach Leckerlies, aber da waren keine. Seine Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Verräterin! Jetzt fängt seine Menschenfreundin auch noch mit diesem Diätquatsch an.

Lisa knuddelte und herzte ihn noch eine kleine Weile, doch das war für Anton nur die halbe Miete. Er wollte doch noch so gerne einen Keks haben und nun gab es nur Heu.

Lisa verabschiedete sich liebevoll von ihm und versprach, daß sie Morgen wieder zu ihm kommt. Anton freute sich. Vielleicht vergißt sie ja über Nacht, das mit der Diät und bringt Morgen wieder eine kleine Köstlichkeit für ihn mit. Verdient hat er es ja, fand er.

Die Kinder wurden von ihren Eltern abgeholt und so wurde es sehr ruhig auf dem Hof. Einige Pferde schliefen auch in ihren Boxen, während dann und wann ein Flugzeug brummend über den Stall flog.

Doch Anton konnte diesen warmen Herbsttag irgendwie nicht so recht genießen. Er hatte Hunger und keinen Appetit auf Heu. Schließlich war er ein Feinschmecker und brauchte dringend Abwechslung auf seinem Speiseplan.

Ihm wurde langweilig, der Magen knurrte, da mußte er sich etwas einfallen lassen. Und er war ja nicht von gestern. Schließlich ist er ein Shetlandpony, die dafür bekannt sind sehr schlau zu sein.

Anton hatte Lust auf ein Abenteuer, natürlich von seinem Bauchgefühl angetrieben und davon hatte er ja sichtbar viel.

In der einen Ecke hing der Elektrozaun seiner Laufbox etwas tiefer und wenn er sich Mühe gab und seine kurzen Beine beugte, paßte er genau unter durch. Genau so tat er es dann auch und spazierte heimlich in den Garten zu seinem Nachbarn Rocky herüber. Der große braune Rocky spitzte die Ohren. Was war denn jetzt das? Anton kannte er sonst nur von der anderen Seite des Zaunes, aber daß er plötzlich direkt im Garten vor ihm stand verwunderte ihn doch sehr. Schließlich hatte er das Privileg als Stallopa den Garten für sich zu beanspruchen.

Beide Pferde begrüßten sich und verstanden sich sofort, denn Rocky war einfach ein klasse Kumpel.

Nachdem beide ein bißchen Fellkraulen gemacht haben, meldete sich Antons Magen wieder. Er hob die Nase und atmete tief ein und sog einen lecker süßlichen Duft in seine Nüstern. Äpfel! Rote, süße Äpfel und gleich ein ganzer Baum davon. Schnell trabte er zu dem alten, knorrigen Baum, der genau mittig im Garten stand, herüber und blickte in die Baumkrone hoch. Wie sollte er da nur ankommen? Die süßen Früchte hingen so weit oben, komplett unerreichbar für den kleinen Schimmelmann. Während er noch darüber rätselte kam Rocky von hinten gemütlich im Schritt zu ihm. Er verstand sofort was Anton wollte. Der Braune streckte sich ganz lang nach oben aus und erwischte einen kleinen Ast mit einigen Blättern von dem Apfelbaum. Gut hielt Rocky den Ast fest zwischen seinen Zähnen und fing an seinen Kopf kräftig zu schütteln, so daß die unteren Äpfel wie dicke Regentropfen nach unten fielen.

Anton freute sich überschwänglich, daß Rocky so nett war, diese Köstlichkeiten mit ihm zu teilen. Beide fraßen die heruntergefallenen Äpfel so genußvoll auf, daß ihnen der süße Apfelsaft schäumend links und rechts aus dem Maul tropfte. Das war ganz nach Antons Geschmack.

Doch dann waren auch diese Äpfel alle und Anton verabschiedete sich höflich von Rocky.

Das war ja schon mal eine gute Vorspeise, doch zurück zum Heu wollte Anton noch nicht. Die Freiheit mit weiteren Gaumengenüssen ruft.

So ging er den hinteren Gartenzaun ab, in der Hoffnung ein Schlupfloch zu finden. Und tatsächlich fand er auch eines. Da war ein loses Brett am Zaun, das noch keiner sonst bemerkt hatte. Mit leichtem Druck stemmte sich Anton mit seinem Hals dagegen und in diesem Moment löste sich der letzte Nagel und das Brett hing nun schief am Zaunpfahl. Geschickt, wie er nun mal auch mit seinem Kugelbauch ist, stieg er mit einem Beinchen nach dem anderen durch die kleine Lücke.

Jetzt war sie da! Die große Freiheit. Er hob die Nase und schnaubte zufrieden mit seinen Nüstern aus. Im flotten Trab ging es los. Ab in das Raakmoor, dort werden sich schon so manch gute fressbare Dinge finden lassen.

Das bunte Laub raschelte unter seinen kleinen Hufen. Ab und zu kickte er eine heruntergefallene Kastanie beiseite. Er genoß den Ausflug.

Nach einer Weile fiel er in einen lockeren Schritt. Sein dichter schneeweißer Schweif pendelte fröhlich hin und her.

Da hörte er was. Anton mußte schon ganz genau seine Öhrchen spitzen. Ein leises knacken, so ähnlich wie Popcorn klang es. Wenn er so an Popcorn dachte, lief ihm schon wieder das Wasser im Maul zusammen. Aber es war kein Popcorn, dazu war es zu leise. Er schnuffelte am Boden herum und da wurde es ihm klar. Bucheckern. Wunderbare kleine Nüsschen, die aus ihren Hüllen herausspringen, geweckt von der warmen Sonne dieses schönen Tages. Vorsichtig begann er die kleinen dreieckigen Früchte einzusammeln. Das war gar nicht so einfach, denn hin und wieder piekste er sich ganz schön in seine zarte Nase, denn die Schalen der Nüsse hatte kleine Stacheln. So suchte er sich behutsam ein paar Stück zusammen.

Während er so mit der Nase durch das Laub stöberte, kam ihm ein weiterer Geruch in die Nase. Doch dieser war ganz und gar nicht lecker. Er zog die Nase kraus, um nicht zu viel von diesem merkwürdigen Duft einzuatmen. Ein wenig würde er es sogar als stinkend bezeichnen. Auf jeden Fall sehr ungewohnt für ihn, der doch mit seinem feinen Näschen nur die aromatischsten Sachen erroch.

Vorsichtig verfolgte er den üblen Geruch. Schließlich packte ihn die Neugier, was denn da so anders riecht. Nach einigen Metern stand Anton vor einer großen alten Eiche und da entdeckte er die Quelle. Er war verdutzt. Ein dicker Igel wuselte an den Wurzeln der Eiche herum und suchte offensichtlich irgend etwas. Dabei schob er das Laub beiseite, riß das Moos wild auseinander und versank die ganze spitze Schnauze in der feucht aufgewühlten Erde.

Anton war fasziniert von dem kleinen Kerl. Was er dort wohl suchte? Vielleicht edle Trüffel. Da gibt er ihm doch sicherlich einen ab, dachte Anton sich und wartete gespannt darauf ob gleich was für ihn abfällt.

Plötzlich wurde der Igel ganz hektisch, drückte seine Schnautze noch tiefer in die Erde und wühlte in voller Eifer los. Anton ließ sich von dem Elan anstecken und schaute schnell ganz genau hin, was der dicke Igel aus der Erde zog.

Anton war geschockt! Der Igel verbiß sich in einen fetten, langen Regenwurm und zog diesen unter hohem Kraftaufwand aus dem Boden. Nun wußte Anton was da so stinkt. Eklige und schleimige Würmer, das war ja überhaupt nichts für Feinschmeckerponys mit Gurmetnasen. Mit gerümpften Nüstern warf er den Kopf zurück, während der Igel genüßlich, schmatzend den Regenwurm verspeiste.

Anton machte sich weiter auf den Weg durch das Moor an kleinen Bächläufen vorbei über schmale sandige Trampelpfade, bis er plötzlich vor einem großen Parkplatz stand. Einige Autos parkten dort und so mancher Mensch schlenderte mit seinem Einkaufswagen quer über die graue Betonfläche. Vorsichtshalber blieb er kurz am Rand des Parkplatzes in einem Gebüsch stehen und beobachtete die Leute. Niemand nahm notiz von ihm, denn es rechnet ja keiner damit, daß ein Pony einfach so auf einem Parkplatz mitten in Hamburg herumsteht.

Doch da erweckte eine Dame seine Aufmerksamkeit. Sie schob gerade ihren vollbepackten Wagen zu ihrem Auto hin. Sie hatte viele bunte Blumen eingekauft, die wunderbar dufteten. Doch solche Blumen schmecktem Anton nicht, daß wußte er genau. Ist halt nur etwas hübsches anzuschauen und leider nicht genießbar.

Doch er stutzte. Ein kleiner Junge mit einer grünen Propellermütze saß vorne in dem Einkaufswagen und hatte ihn offensichtlich im Gebüsch entdeckt. Wild zupfte der kleine Junge ganz aufgeregt am Ärmel seiner Mutter. Doch leider hatte sie gerade keine Augen für ihren Sohn. Sie hatte wohl eine wichtige Nachricht auf ihrem Smartphone erhalten und laß diese angestrengt im Gegenlicht der Herbstsonne. Offensichtlich kannte das Kind diese Momente schon und wendete sich Anton zu, der sich immer noch im Gebüsch versteckte. Der kleine Junge rief ihn zu sich und tatsächlich traute sich Anton ganz vorsichtig über den Parkplatz herüber. Seine Hufe trippelten über den Asphalt. Keiner bemerkte ihn. Auch nicht die Mutter, die immer noch mit ihrem Smartphone beschäftigt war.

Die Freude des Jungen war riesig, als Anton bei ihm angekommen war. Und genau in diesem Moment freute sich Anton mit. Der Kleine hatte eine angegessene Banane dabei. Oh, ein süßes Früchtchen, ganz nach seinem Geschmack.

Natürlich reichte der Junge dem Schimmelchen seine Banane herüber und Anton zelebrierte die weiche schon ein bißchen matschige Frucht.

Da entdeckte Anton etwas. Das war jetzt viel interessanter, als der kleine Junge und die Banane war jetzt ja eh weg.. In Gedanken ließ er ihn in seinem Einkaufswagen zurück und ging im langsamen Schritt um das Auto herum. Jetzt konnte er es sehen. Der Geruch kam ihm ziemlich bekannt vor. Auf Stallfesten, wenn es Pommes für die Besucher gab, dann roch es genau so. Und jetzt sah er endlich mal was das war. Ein Imbisswagen.

Fasziniert ging er direkt auf den Wagen zu, ohne daß ihn Irgendjemand bemerkte. Nur der kleine Junge rief ihm hinterher, doch Anton hatte wichtigeres vor. Nach einigen Metern stand er direkt vor einem knallgelben Wagen und er versuchte über die Theke zu gucken. Bei einem Versuch blieb es aber leider, da er viel zu klein war. Auch wenn er sich reckte und streckte, er schaffte es nicht oben herüber zu sehen. Er ging um den Wagen herum. Irgendwo muß man doch dort reinkommen, sein Entdeckergeist war wieder geweckt. Und tatsächlich hatte er Glück. An der Anhängerkupplung angelehnt stand ein großer Plastiksack. Was dort wohl drinnen sein mag? Das mußte Anton sofort untersuchen. Geschickt zwirbelte er mit seiner Oberlippe die Öffnung des Sackes oben auseinander. Zu seinem Glück war der Sack nicht richtig verschlossen worden und für ein Shetlandpony war es überhaupt kein Problem diesen unversehrt zu öffnen.

Anton machte große Augen. Was er da für einen Schatz gefunden hatte. Er war regelrecht auf Gold gestoßen. Der ganze Sack war bis oben hin voll mit alten Brötchen. Gierig begann er gleich seinen Kopf in den Sack zu stecken und fraß so schnell los, als wollte er einen Rekord brechen.

In diesem Moment polterte es in dem Imbisswagen. Anton erschrak sich sehr und riß hektisch seinen Kopf aus dem Brötchensack heraus. Er sprang im großen Satz zur Seite, während er noch auf einigen Brotstücken herumkaute. Einige Krähen, die auch nach Futter suchten, erschracken sich ebenfalls und flogen im Schwarm auf. Mit dicken Backen flitze er im Galopp quer über den Parkplatz und versuchte sich nicht dabei zu verschlucken. Seine kleinen Hufe klickerten über den Asphalt.

Dann sprang er elegant durch das Gebüsch hindurch und in einem rasanten Tempo ging es zurück zum schmalen Trampelpfad im Raakmoor.

Nach einer Weile beruhigte er sich wieder und fiel in einen lockeren Trab. Nun konnte er sich auch darauf konzentrieren die Brötchenreste in seinem Maul zu ende zu kauen. Das war jetzt alles etwas zu viel für den Shettymann. So eine Aufregung und das bei einem vollen Bauch. Also machte er sich weiter auf den Rückweg zurück zum Stall. Den Weg kannte er ganz genau, denn wer auf Abenteuer ging sollte sich Wege merken können. Das wußte Anton und er merkte sich viel mit seinem kleinen Köpfchen.

Da war auch schon der Bachlauf. Nur noch kurz hinter ein paar Birken um die Ecke biegen und wieder zurück und ging vorsichtig durch das kleine Loch im Zaun. Allerdings sah das jetzt nicht mehr so elegant aus, wie vorhin. Es war wohl doch ein wenig viel, was Anton so unterwegs gefressen hat und sein Bauch war noch runder als sonst.

Langsam trottete er durch den Garten. Er war zu Hause, hier konnte ihm nichts Schlimmes passieren. Die Sonne war schon ein ganzes Stück weiter gewandert und tauchte den Hof in ein rötlich oranges Licht. Anton war doch länger unterwegs gewesen, als gedacht.

Von der Seite blubberte mit tiefer Stimme ihm Rocky entgegen. Rocky freut sich immer über Besuch und nun wundert es ihn auch nicht mehr, daß Anton mitten im Garten auftauchte.

Doch Anton hatte jetzt keine Zeit mehr für seinen Kumpel. Er mußte zügig zurück in seinen Stall, bevor Jemand etwas bemerkt.

Er ging direkt zu der Stelle, wo der Elektrozaun ein wenig tiefer hing. Er beugte seine Beine und drückte sich unter dem Zaun durch. Geschafft! Er war wieder heil in seiner Laufbox angekommen und offensichtlich hatte es niemand bemerkt.

Gemütlich ging er zu seinem Heu herüber. Das war jetzt genau der richtige Abschluß seines unterwegs eingesammelten Menues. Genüßlich zermahlte er die aromatischen Halme zwischen den Zähnen. Er war zufrieden mit seinem vollem Bauch und lächelte ein wenig in sich hinein. Sollen doch die Anderen eine Diät machen, er hatte es offensichtlich nicht nötig.

Und bei solchen Ausflügen braucht sich auch eigentlich keiner mehr zu wundern, warum Anton so rund ist. Aber zum Glück weiß das ja keiner, außer Rocky.

Mai-Shooting mit unseren Ponys und ihren Pflegern.

Liebe unendlich.

Übrigens findet Ihr zwischen den Bildern auch den Hof-Briefträger. Unsere Hunde vorallem, lieben ihn.

von *Vera Joy*